Systematische Identifikation genetischer und epigenetischer Risikovarianten der Parodontitis in der deutschen und türkischen Bevölkerung (Anschub- und Mobilitätsmaßnahme)

Schwere Formen der Parodontitis zeigen weltweit eine sehr hohe Prävalenz von 11% und mit einer Heritabilität von ~50% haben genetische Faktoren einen hohen ursächlichen Anteil an der Entstehung der Parodontitis. Genetische Risikovarianten können für die Diagnose und Therapie jedoch nur dann erfolgreich verwendet werden, wenn ihr gesamtes Spektrum bekannt ist. Die türkische Bevölkerung bildet die größte zugewanderte Gruppe in Deutschland, aufgrund unterschiedlicher entwicklungsgeschichtlicher Prozesse der deutschen und der türkischen Bevölkerung können sich krankheitsassoziierte Varianten zwischen diesen Gruppen jedoch unterscheiden oder in unterschiedlichen Häufigkeiten vorkommen. Dieses Projekt soll die Voraussetzungen für die Durchführung systematischer Untersuchungen schaffen, um die in beiden Ethnizitäten gemeinsamen und unterschiedlichen Risikoallele zu identifizieren. Die daraus zu erwartenden Ergebnisse werden zu einem verbesserten Verständnis der Ätiologie der Parodontitis führen, sowie zu einem verbesserten Verständnis der unterschiedlichen Prävalenzen der PA zwischen den verschiedenen Volksgruppen.

Der dazu notwendige erste Schritt ist die Schaffung einer umfassenden Stichprobe von Blutproben und gingivalen Biopsien von Patienten deutscher und türkischer Herkunft. Da die Sammlung der benötigten Fallzahlen die Kapazität einzelner Kliniken übertrifft und nur innerhalb eines Forschungsverbund erreicht werden kann, wurde ein klinisches Netzwerk zahnmedizinisch spezialisierter Universitätskliniken im europäischen deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) und in der Türkei (Westtürkei und Zentralanatolien) geschaffen, in dem geeignete Patienten und gesunde Kontrollen identifiziert und die benötigten Biomaterialien entnommen und aufgearbeitet werden. Weiteres Ziel dieses Projektes ist es, die für ein langfristiges Forschungsvorhaben notwendigen persönlichen Beziehungen zu vertiefen und Expertise auszutauschen, die über das unmittelbare Vorhaben hinausreichend bestand haben sollen.

Innerhalb des Förderzeitraums dieser Anschub- und Mobilitätsmaßnahme sollen die folgenden wissenschaftlichen Ziele erreicht werden:

  1. Schaffung einer klinischen Analysepopulation der PA mit ausreichender statistischer Teststärke für genomweite genetische und epigenetische Assoziationsstudien.
  2. Durchführung einer Pilotstudie zur Identifikation der häufigsten genetischen Risikovarianten der PA, die der türkischen und deutschen Bevölkerungen gemeinsam sind (Custom Genotyping Array Immunochip, Illumina).
  3. Durchführung einer Pilotstudie zur Generierung von Referenzdaten der genomweiten Methylierungsmuster der Gingiva in der türkischen und deutschen Bevölkerung.
  4. Transfer der Expertise zur Anwendung genetischer Hochdurchsatz-Genotypisierungstechnologien und genetischer Analyseverfahren an die türkischen Partneruniversitäten.

Mitarbeiter: Dr. Gesa Richter

 

Dieses Projekt wird seit 2015 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt (Förderkennzeichen 01DL15002).

Beteiligte Institute im deutschsprachigen Raum:

  • Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und präventive Zahnheilkunde, Rheinische Friedrichs-Wilhelm-Universität Bonn, (Prof. Soeren Jepsen)
  • Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie, Universitätsklinikum Würzburg (Dr. Yvonne Jockel-Schneider)
  • Abteilung für Parodontologie und Prophylaxe, Medizinische Universität Wien, Österreich (Dr. Corinna Bruchmann)
  • Zentrum für Zahnmedizin, Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie, Universität Zürich (Dr. Philip Sahrmann).
  • Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie Abteilung für Parodontologie, ACTA (Academisch Centrum Tandheelkunde), Niederlande (Prof. Bruno Loos)

Beteiligte Institute in der Türkei:

  • Faculty of Dentistry, Dept. of Periodontology Hacettepe University, Ankara (Prof. Rahime Nohutcu, Dr. Sezen Askin)
  • Faculty of Dentistry, Department of Periodontology, Technical University Karadeniz (Dr. Esra Baltacioglu)
  • School of Dentistry, Ege University (Hatice O. Turkoglu)
  • Faculty of Dentistry, Department of Periodontology, Istanbul University (Dr. Ulku Baser)
  • Faculty of Dentistry, Kocaeli University (Dr. Esra Guzeldemir-Akcakanat)
  • Faculty of Dentistry, Department of Periodontology, Kirikkale University (Dr. Huseyin G. Keceli)
  • Faculty of Dentistry, Selcuk University (Prof. Sema Hakki)

Bildnachweis: Biobank popgen

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